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Text 1

Im 14. Jahrhundert zog der aus dem kleinen schwäbischen Ort Graben stammende Weber Hans Fugger ins nahe Augsburg, das eine der wichtigsten Handelsstädte Deutschlands war. Hans Fugger gründete in Augsburg ein kleines Weber – Unternehmen, das mit der Zeit wuchs und wuchs. Er war sogar so erfolgreich, dass er zum Chef der Weber – Zunft wurde. Das Geheimnis von seinem Erfolg: Er setzte sich nicht selbst an den Webstuhl, sondern wandte das Verlagssystem an. Er kaufte also Rohstoffe wie Baumwolle und Flachs ein und liess diese von andern zu einem Billiglohn weben. Anschliessend verkaufte er die fertige Ware mit einem Gewinn für sich selbst weiter. Er entwickelte sich also vom einfachen Textil-Produzenten zum geschickten Textil-Händler. Somit war der Grundstein für den enormen Reichtum der Fugger-Familie gelegt.

Text 2

Bereits zehn Jahre nachdem er in Augsburg sein Unternehmen gründete, eröffnete er in der Stadt Nürnberg eine weitere Filiale. Als Hans Fugger mit 60 Jahren starb, arbeiteten rund hundert Weber für sein Unternehmen. Nach seinem Tod übernahmen seine drei Söhne Andreas, Michael und Jakob das Unternehmen und machten es noch grösser. Sie ruhten sich nicht auf dem Erfolg aus, sondern investierten das verdiente Geld, um noch reicher zu werden. Die Fugger wurden schnell zu einer der reichsten Familien der Stadt Augsburg und hatten auch bald politische Macht. So wurde Andreas zum Beispiel Stadtrat von Augsburg. Andreas gründete auch eine Niederlassung, eine so genannte Faktorei, in der Handelsstadt Venedig. Dort lagerten die Fugger ihre Waren und verkauften sie weiter. Mit diesem Schritt wurde das Unternehmen zum internationalen Grossunternehmen. Von Venedig aus gründeten die Fugger Niederlassungen in vielen weiteren Europäischen Handelsstädten.

Text 3

Bald entdeckten die Fugger ein neues Geschäftsfeld, nämlich der Geldverleih. Päpste, Kaiser und Könige hatten eines gemeinsam: Sie gaben gerne Geld aus und hatten immer zu wenig davon. Um teure Kriege und ihr Luxusleben zu finanzieren liehen sie bei reichen Kaufleuten, wie beispielsweise den Fuggern, Geld aus. Im Gegenzug bezahlten sie den Kaufleuten Zinsen. Zinsen sind eine wiederkehrende Gebühr, die man so lange bezahlen muss, bis man das Geld zurückbezahlt hat. Doch die Fugger verliehen ihr Geld nicht nur wegen den Zinsen, die sie dafür bekamen. Viele der Päpste, Kaiser und Könige konnten nämlich ihre Schulden nie mit Geld zurückbezahlen und so beglichen sie diese, indem sie den Fuggern ganze Bergwerke und Minen, die in ihrem Besitz standen, schenkten. Mit den Rohstoffen aus diesen Bergwerken betrieben die Fugger weiter Handel und wurden noch reicher.

Text 4

Brief aus dem 15. Jahrhundert

“Allergnädigster Herr,

ich habe eine beachtliche Summe Geld vorgestreckt, um die Fürsten dazu zu bringen euch zu wählen. Jeder weiss, dass Ihr es ohne mich nicht geschafft hättet, gewählt zu werden. Leider habe ich das Geld bisher nicht wieder zurückbekommen. Deswegen bitte ich euch, die ausstehende Summe samt Zinsen umgehend zu bezahlen.

Freundliche Grüsse”

Text 5

Text 6

Worterklärung:

Handelsmonopol = das absolute Vorrecht / Alleinrecht im Handel

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