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Die Zürcher Kloakenreform
Bis ins 19. Jahrhundert glaubte man, dass aus verseuchter Erde aufsteigende, auf Verschmutzung und Fäulnis zurückzuführende üble Gerüche («Miasmen») krank machen. Die Zürcher Kloakenreform sollte diesen angeblich gefährlichen «Miasmen», die aus den Ehrgräben aufstiegen, entegegenwirken. Erst durch die Entdeckungen der Bakteriologie ab Ende des 19. Jahrhunderts wurden die wirklichen Zusammenhänge zwischen Krankheiten und Bakterien klar. 1867 bewilligten die Stimmbürger mit der Kloakenreform die Einführung eines Entsorgungssystems mit geschlossener Kanalisation. So sollten die neu auftretenden Seuchen Cholera und Typhus bekämpft werden. Es ging aber auch darum, dass diese neuen Ver- und Entsorgungssysteme zu einer modernen Stadt gehörten.
Die neue Entsorgung war auf dem Prinzip der Trennung von Flüssigem und Festem aufgebaut. Unter den Fallrohren jedes Gebäudes standen Kübel, in denen die Fäkalien aufgefangen wurden. Ein Sieb sorgte dafür, dass die Flüssigkeit in die Kanalisation austreten konnte. Die Kübel wurden mit Fuhrwerken eingesammelt, geleert und gereinigt. Die Fäkalien wurden kompostiert und als Dünger der Landwirtschaft zugeführt. In den Ehgräben zog man Gewölbe ein, wodurch die heute noch vorhandenen, begehbaren Tunnel entstanden. Auch hier wurden Kanalisationsrohre in den Boden der alten Gräben versenkt und Fallrohre mit Kübeln eingerichtet. Die meisten Latrinen bestanden weiterhin aus einfachen Plumpsklos ohne Wasserspülung.
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Frischwasser
1868, ein Jahr nach der Kloakenreform, folgte der Entscheid für die Zuleitung von Frischwasser in die Gebäude. Das Baugesetz von 1893 schrieb erstmals für jede neu gebaute oder renovierte Wohnung eine Latrine vor, und zwar mit Wasserspülung. Badezimmer in den Wohnungen gab es bis ins späte 19. Jahrhundert kaum. 1896 wiesen in der damaligen Stadt erst 10% der Wohnungen ein Badezimmer auf. Bald nach der Einführung mehrten sich kritische Stimmen gegen das Kübelsystem. «Umständlich», «wenig sauber» und «unrentabel» waren die Vorwürfe. Zudem gab es immer weniger Nachfrage von den Bauernhöfen nach dem «Stadtmist». Ab 1923 wurden die Kübel durch ein Schwemmsystem ersetzt. Damit verbunden war auch der Bau der ersten Kläranlage. 1926 nahm sie im Werdhölzli ihren Betrieb auf.
Bilder
Bild 1 – Plan der Stadt Zürich aus dem Jahr 1616
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