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Interview
Interview der Tageszeitung Blick mit Wirtschaftspsychologe Christian Fichter (47)
Black Friday, Ciber Monday, eine Rabattschlacht jagt die andere. Was ist los mit den Schweizern, die doch angeblich so vernünftig mit ihrem Geld umgehen?
Als Folge der Globalisierung ändert sich auch das Konsummuster. Der Schweizer Konsument tickt heute wie ein Amerikaner.
Lohnen sich solche Rabatttage?
Meiner Meinung nach nicht. Weder für den Händler noch für den Konsumenten. Aber der Händler muss das Spiel, das alle spielen, mitspielen. Er verdient zwar nicht mehr, muss aber mitmachen, um nicht weniger zu verdienen. Und der Konsument wird dazu verleitet, Dinge zu kaufen, die er nicht braucht. Denn eigentlich würde er lieber das ganze Jahr über vernünftige Preise zahlen.
Warum stürzen sich Konsumenten trotzdem ins Getümmel?
Weil Shopping diese Spielkomponente hat. Shopping verschafft ein trügerisches Glück. Das Wort ‘Rabatt’ hat eine magische Anziehungskraft, der für den Schnäppchenjäger verheissungsvoll klingt. Kaufen heisst ja eigentlich: sich Ressourcen anschaffen. Das tun wir schon seit Tausenden von Jahren.
Wie behält man als Kunde trotzdem einen klaren Kopf?
Die richtige Einstellung bietet einen gewissen Schutz. Fragen Sie sich vor dem Kauf: Passt das zu mir? Brauch ich das? Schreiben Sie sich auf, was Sie wirklich brauchen. Vielleicht eine Birchermüesliraffel. Und wenn sie eine günstige erwischen, kaufen Sie sie. Aber nichts anderes. Man muss sich gedanklich immunisieren.
Und das soll funktionieren?
Ja. Gehen Sie einfach nicht an einen Ort, von dem Sie wissen, dass Sie dort schwach werden.
Info-Boxen
Der Umsatz gibt an, wie viel ein Unternehmen innerhalb einer bestimmten Zeit eingenommen hat. Die Berechnung des Umsatzes erfolgt nach der Formel:
Umsatz = Absatzmenge x Preis
Der Umsatz gibt also nur Aussage über die Einnahmen eines Unternehmens.
Der Gewinn hingegen bezieht in die Berechnung auch die Ausgaben (Kosten) mit ein. Die Formel zur Berechnung des Gewinns lautet:
Gewinn = Umsatz – Kosten
Der Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn besteht also darin, dass der Umsatz angibt, wie viel das Unternehmen eingenommen hat. Der Gewinn hingegen gibt an, was von den Unternehmenseinnahmen nach Abzug aller Kosten übrig bleibt.
Der Black Friday stammt aus den USA. Ursprünglich ging es aber nicht ums Geldausgeben beim Shoppen, sondern ums Geldverbrennen an der Börse.
Börsencrash
Als Black Friday ging der 24. September 1869 in die Geschichtsbücher ein. Damals trieben zwei amerikanische Spekulanten den Goldpreis in die Höhe. Der Fall war tief: die Aktien an der US-Börse verloren an einem Tag rund ein Fünftel ihres Werts.
Thanksgiving
Der Thanksgiving-Feiertag, der in den USA immer am vierten Donnerstag im November gefeiert wird, entwickelte sich zusehends zum Auftakt für verlängerte Wochenenden. Immer mehr Amis machten den Freitag nach diesem Donnerstag blau oder frei, um vier Tage am Stück nicht arbeiten zu müssen. Die Händler passten sich an und begannen, die Kunden mit Rabatten am Freitag in ihre Läden zu locken.