Texte
Text 1 – Einführung
Der Magenträs ist ein sehr fein gemahlener Gewürzzucker, der zum Würzen von Süssspeisen verwendet wird. Neben Zucker enthält er exotische Gewürze wie Sandelholz, Zimt, Muskat, Nelken und Ingwer. Der Magenträs weist eine charakteristische rötlich schimmernde Farbe auf.
Hergestellt respektive zusammengemischt wird Magenträs in wenigen Schwyzer und Zürcher Apotheken. Der grösste und bekannteste Magenträs-Hersteller ist aber im Kanton Glarus. Verbreitet ist Magenträs über das Produktionsgebiet hinaus vor allem im Kanton Uri. In der übrigen Schweiz ist die Spezialität kaum bekannt.
Neben dem Begriff Magenträs existieren weitere Ausdrücke für den Gewürzzucker: Triätpulver oder Trietpulver etwa. Die Wörter Träs, Triät und Triet leiten sich alle vom hochdeutschen Ausdruck „Trisenet“ ab, das „ein gröbliches Pulver“ beschreibt. Die Begriffe „Trietolt®“ und „Glarner Gewürzzucker“ gehen auf den erwähnten Glarner Hersteller zurück.
Text 2 – Geschichte
Geschichte
Gewürzzucker ist in der Schweiz spätestens seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Exotische Gewürze und Zucker aus den Ländern des Indischen Ozeans galten im damaligen Europa als absolute Luxusprodukte. Ein Pulver aus solchen Gewürzen und Zucker war nur für die vermögendsten Schichten erschwinglich. Offensichtlich gab es aber auch eine Alternative aus preiswerteren Zutaten, wie eine Quelle aus dem Jahre 1588 aufzeigt: „Nime 1 portion bülferet eichlen, 1 portion petersamen, misch mit zucar und gibs dem menschen, mit win.“ Statt exotischen Gewürzen wurden Eicheln und Petersiliensamen verwendet. Diese Mischung war ein Mittel gegen Blasenleiden.
Im 16. Jahrhundert wurde der Gewürzzucker also weniger zum Süssen von Speisen verwendet, sondern vielmehr als Medizin. Wegen seiner angeblich verdauungsfördernden und aufputschenden Wirkung wurde er von vielen Ärztenals als „magenpulver“ bzw. „abführmittel“ empfohlen.
Im Vergleich zum 16. Jahrhundert waren Gewürze und Zucker im 18. und 19. Jahrhundert keine reinen Luxusgüter mehr. Verbesserte Transportmöglichkeiten erleichterten die Einfuhr. Als Mitte des 18. Jahrhunderts in Europa der Rübenzucker entdeckt und schliesslich auf industrielle Weise der Zucker gewonnen werden konnte, fiel der Zuckerpreis endgültig. Gewürzzucker wurde teilweise noch immer medizinisch verwendet, fand aber zunehmend in Süssspeiserezepten Berücksichtigung.
Eine der bekanntesten Süssspeisen mit Magenträs ist die „Triätschnitte“ aus dem Kanton Zürich. Sie ist eine in Rotwein getränkte Brotschnitten, die einen rötlichen Schimmer überzieht.
















