Texte

Text 1

Im 19. Jahrhundert verliessen immer mehr Menschen die Schweiz. Hunger und Armut trieben sie über den Ozean in ein Land voller neuer Hoffnungen: Amerika.

Zehn Wochen lang war beispielsweise die Familie Abbühl auf dem Meer. Vater, Mutter, vier Kinder – und hunderte weitere Passagiere. Zehn Wochen, geplagt von Kälte, Krankheiten und Ungewissheit. Dann endlich erreichten die Auswanderer die Neue Welt.

Zehntausende von  zogen Schweizerrn zogen in den 1850er-Jahren nach Amerika.

Text 2

Dass Schweizer ihre Heimat verliessen, war nicht neu. Neu waren die Zahl der Auswanderer und das Ziel. Denn traditionell wanderten Schweizer eher in die Nachbarländer aus. Ab dem 18. Jahrhundert wurde Russland populär, ab Anfang des 19. Jahrhunderts Südamerika. Ebenfalls Anfang des 19. Jahrhunderts verliessen erstmals mehr Menschen die Schweiz um zu siedeln, als um zu kämpfen. Die USA wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum wichtigsten Auswanderungsziel.

Was sich nicht veränderte, waren die Gründe: der Geburtenüberschuss, die Armut, die Arbeitslosigkeit sowie wechselnde Krisen: Missernten, Wirtschaftskrisen, die Verfolgung der religösen Gemeinschaft der Täufer, die Hungerjahre von 1816/1817 oder die Kartoffelfäulnis der 1830er.

Text 3

Während einer Hungerkrise war auch der 57 jährige Kaspar Köpfli aus Sursee (Luzern) mit seiner Familie in die USA gezogen. 1831 gründete er im heutigen Bundesstaat Illinois die Kolonie «Helvetia». Die kleine Siedlung wurde über die Jahre zum Städtchen namens “Highland”. Elf Jahre nach der Gründung beschrieb sein Sohn Salomon die Entwicklung des Städtchens wie folgt:

«In den ersten Jahren, nachdem das Städtchen entworfen, hatte man mit grossen Schwierigkeiten zu kämpfen; obwohl die Natur die Umgegend mit rohen Baumaterialien versehen, so war man doch genöthigt, Bretter, Backsteine und manches Andere aus weiter Ferne zu beziehen: es mangelte an kundigen Handwerkern aller Art; kamen Leute in einiger Anzahl an, so konnten sie kein Unterkommen finden, weit und breit stand kein Gasthaus. . [. .] Jetzt ist das Fundament der Stadt so weit gelegt, dass der Bau sicher und ungestört fortgeführt werden kann. In den zirka achtzig erbauten Wohnungen trifft man auf mehrere Kaufleute, Aerzte, Lehrer, Geistliche, Handwerker aller Art, als: Schreiner, Zimmerleute, Maurer, Gypser, Töpfer, Ziegler, Schmiede, Schlosser, Glaser, Sattler, Schneider, Schuhmacher, Wagner, Müller, Schlachter, Fuhrleute, die meisten aus der deutschen Schweiz und einigen Ländern Deutschlands stammend.»

Text 4

Als 1844 Heinrich Huber aus Walenstadt Neu-Schweizerland besuchte, hielt er fest: «Das Leben in Highland ist echt schweizerisch; Alles beinahe redet Schweizerdeutsch. Unterhaltend ist es, zu hören, wenn an einem Tisch im Restaurant, oder anderswo, sich eine Gesellschaft zusammenfindet: da hört man den unveränderten Länderdialekt; neben der gemütlichen Bernermundart den wohlklingenden Bündner, neben dem Zürcher den Glarner, Luzerner, Basler, St. Galler, Aargauer, Zuger etc.»

«Selbst die Hügel und Thäler sind zwar nicht gross, erhalten ihre Benennungen von Bergen und Thalern der Schweiz. Von Highland aus sieht man einen Rigi, eine Jurakette, einen Sonnenberg und Freudenberg. Da hört man von einer Grütli-Farm, von Meyeringen, von Blumenberg, von Prättigau, von Delsberg, von Neu-Mels; ja sogar die Strassen von Highland tragen vaterländische Namen von grossen Schweizern; neben den grössten Amerikanernamen Washington, Jefferson, Franklin liegen die Zschokke-, Pestalozzi- und Troxler-Strasse. Der Schweizer wird immer mit Rührung und Liebe seines Vaterlandes gedenken.»

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