Wie kam die Lebensmittelindustrie nach Konolfingen?
Vor 200 Jahren lagen weite Teile der Region Konolfingen in einem unbewohnten Sumpfgebiet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Gegend trockengelegt und konnte nun für die landwirtschaftliche Produktion genutzt werden.
Um Arbeitsplätze zu schaffen, suchte der Gemeindepräsident von Stalden bei Konolfingen einen Investor[1] für die Gründung einer Fabrik. Er versprach ihm genügend Platz und viele Vorteile, wie Zugang zu reichlich Milch von lokalen Bauern, eine gute Wasserversorgung und eine nahe Bahnverbindung. Und tatsächlich fand er einen Investor, einen Hotelier namens Cäsar Ritz. Dieser suchte schon lange nach Methoden, wie man Lebensmittel hygienischer und haltbarer machen könnte. In Deutschland entwickelten Wissenschaftler eine neue Methode für die Sterilisierung von Milch. Diese Technologie brachte Ritz nach Stalden, wo er 1892 die Berneralpen-Milchgesellschaft eröffnete, die erste Fabrik in diesem kleinen Ort.
Zu Beginn kauften nur Ärzte und Apotheker die keimfreie Milch. Als die Milch ab 1894 in Dosen verkauft wurde, trat allmählich der Erfolg ein. 1903 brachte die Fabrik die Stalden-Crème auf den Markt, die schnell beliebt wurde.
[1] Investor = Jemand, der sein Geld in eine Firma steckt, weil er hofft, dass er später mehr Geld zurückbekommt.
Die Eröffnung der Fabrik hatte grosse Auswirkungen auf die Region, denn es wurden viele Arbeitsplätze geschaffen. Rund um die Fabrik entstand ein ganzes Dorf, das stetig wuchs.
Während des Ersten Weltkriegs war es für die Firma schwierig, Milch zu bekommen und Produkte zu verkaufen. Die Firma gründete deshalb Tochtergesellschaften in anderen Ländern. In der Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren begann die Firma mit der Herstellung von Gemüse- und Früchtekonserven, um weiter bestehen zu können.
1971 kaufte der Lebensmittelkonzern Nestlé die Berneralpen-Milchgesellschaft. Nestlé investierte viel Geld in die Fabrik und baute ein Forschungszentrum, das sich zunehmend auf Baby-Nahrung spezialisierte. Heute ist die Fabrik der grösste Arbeitgeber in der Region
Da die Marke Stalden praktisch nur in der Schweiz bekannt ist, entschied Nestlé 2020, dass sie nicht mehr ins Sortiment passe und verkaufte sie an den Glarner Nahrungsmittelhersteller Guma AG. Die Produktion der Stalden-Crème wurde somit nach über 117 Jahren von Konolfingen nach Bilten im Glarnerland verlagert.




