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Text 2 – Die Doppelfalte
Der Zürcher Forscher Hans Conrad Escher von der Linth besuchte im 18. Jahrhundert die Tschingelhörner in den Glarner Alpen und war fasziniert von den scharf abgegrenzten Gesteinsarten. Er malte ein Aquarell, in dem er die unterschiedlichen Gesteine deutlich machte. Er stellte fest, dass nicht wie sonst üblich die jungen Gesteine zuoberst lagen, sondern uralte. Die Gesteinsschichten lagen also verkehrt herum. Doch wie war das möglich? Sein Sohn, der Geologe Arnold Escher, kam zum Schluss, dass unterschiedliche Gesteine übereinander geschoben wurden und bezeichnete dies als eine «Überschiebung». Es stellte also die bisher geltende Schrumpftheorie in Zweifel und befürchtete, dass ihm das niemand glaubt. Daher erklärte er seine Beobachtungen mit einer Falte. Er zeichnete zwei Falten, die er Doppelfalte nannte.
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Text 6 – Glarner Hauptüberschiebung
Von einer Überschiebung wird dann gesprochen, wenn Gesteinspakete übereinander geschoben werden. So kann es passieren, dass sich ältere über jüngere Gesteinspakete schieben.
Eine solche Überschiebung ist besonders gut bei den Tschingelhörner zu sehen. Oberhalb der gut sichtbaren, sogenannten «magischen Linie» liegen Verrucano-Gesteine, die 250-300 Millionen Jahre alt sind. Sie entstanden ursprünglich in der Nähe des Äquators in einem Wüstengebiet mit Vulkanen. Die Gesteine darunter sind Tonschiefer und Sandsteine, die in einem Meer abgelagert wurden. Diese Flysch-Gesteine sind viel jünger: 35-50 Millionen Jahre alt.
Die «magische Linie» besteht aus einer dünnen Kalkschicht. Zwischen den beiden grossen Gesteinspaketen hat sie als eine Art Gleitmittel gedient. Die Überschiebung geschah vor etwa 10-20 Millionen Jahren in etwa 5-25 Kilometer Tiefe unter der damaligen Erdoberfläche. Die riesigen Gesteinspakete wurden nur einige Millimeter pro Jahr überschoben.
Nirgends sonst auf der Welt kann eine Überschiebungslinie derart gut über eine so lange Strecke beobachtet werden wie bei den Tschingelhörner.
Text 7 – Verwitterung und Erosion
Nackte Felsen, wie wir sie bei den Tschingelhörner finden, werden laufend abgetragen. Dafür verantwortlich sind der Regen, die Flüsse und Bäche sowie die Gletscher. Sand und Steine in Wasser und Gletscher können Felsen abschleifen. Auch Winde tragen Sand mit und schleifen Felsen und Steine ab.
Temperaturschwankungen tragen zur Verwitterung bei: Feine Spalten und grosse Risse öffnen sich im Gestein. Wachsen Pflanzen in diese Spalten oder gefriert Wasser, wird das Gestein gesprengt und das Gestein zerfällt langsam. Im Laufe von Jahren verändern sich ganze Felsen.
Man nennt diesen Prozess Verwitterung, weil das Gestein an Ort und Stelle zerfällt oder sich verändert – ohne dass es gleich wegtransportiert wird.
Die Erosion ist ein anderer Prozess: Sie sorgt dafür, dass das bereits verwitterte Material wegtransportiert wird – zum Beispiel durch Wasser, Wind, Gletscher oder die Schwerkraft. Die Schwerkraft zieht jeden Stein und jedes Geröll in die Tiefe. So entstehen Steinschläge, Bergstürze, Felsstürze, Gerölllawinen und Murgänge. Das sind Auswirkungen der Erosion.