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Winterthur war im 19. Jahrhundert ein Zentrum der Industrialisierung. Fabriken siedelten sich rings um die Stadt an und zogen scharenweise Arbeiter an. Für die neuen zigtausend Arbeiter gab es aber zu wenig Wohnungen. Die Ärmsten lebten in der Altstadt auf engstem Raum, mit wenig Licht und mangelhafter Ernährung. Daher waren sie häufig krank oder sie zogen weiter in eine andere Stadt mit mehr Wohnraum.

Die Fabrikbesitzer waren also gezwungen, für ihre Arbeiter Wohnungen zu schaffen, sollten ihre riesige Fabriken weiterhin sieben Tage die Woche und 14 Stunden am Tag in Betrieb sein. Deshalb bauten in Winterthur verschiedene Fabriken Wohnungen für ihre Arbeiter.

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Die Jägerstrasse schloss direkt an das Werkgelände der SLM an. Wohn- und Arbeitsort waren für die Arbeiter also in unmittelbarer Nähe. Der Besitzer der SLM, der Brite Charles Brown, gab die Arbeiterhäuser beim Architekten Ernst Jung in Auftrag. Wie aus den Beschlüssen in den Protokollen der Baukommission und des Stadtrats Winterthur hervorgeht, wurde das Bauvorhaben 1872 bewilligt. Die SLM erweiterte die Arbeiterhäuser an der Jägerstrasse später mit einem Speisesaal.

Die relativ günstigen Reihenhäuser verbesserten die Lebensqualität der Arbeiterfamilien. Zudem waren die Häuser recht gut ausgestattet. Sie hatten einen Vorgarten und nach hinten Gartenland, auf dem die Arbeiter Gemüse anbauen konnten. Der Mietzins betrug rund 14 % eines Arbeiterlohns und begaben sich die Arbeiter mit dem Bezug der Häuser in ein doppeltes Abhängigkeitsverhältnis: Ihr Arbeitgeber war zugleich ihr Vermieter. Bei einer Kündigung verloren die Arbeiter sowohl ihre Stelle als auch ihre Wohnung.

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1875, als bereits 12 Reihenhäuser an der Jägerstrasse bezogen worden waren, hielt ein Adress- und Geschäfts-Handbuch fest, wer damals dort wohnte. Unter den 25 aufgeführten Bewohnern waren 6 Drechsler, 1 Schmied, 3 Kesselschmiede, 1 Fräser, 1 Bohrer, 2 Mechaniker, 1 Eisenhobler, 1 Bahnwärter, 3 Heizer, 1 Tischler, 1 Maurer, 1 Schlosser, 1 Spengler, 1 Sattler und 1 Taglöhner. Mit Ausnahme des Taglöhners übten alle Anwohner der Jägerstrasse einen erlernten Beruf aus und gehörten daher zu den besser gestellten Arbeitern. In einer von 24 Wohnungen lebten zwei Männer. Die übrigen 23 aufgeführten Männer waren also vermutlich verheiratet und hatten Kinder.

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