Texte

Text 1.  Ein abgeschiedenes Tal

Das Sernftal zieht sich von Schwanden bis nach Elm. Durch die Talenge zwischen Schwanden und Engi war das Tal lange vom übrigen Glarnerland abgesondert und dadurch recht eigenständig. Die einzige Verbindung ins Haupttal führte über einen schmalen, waldigen und steilen Saumpfad[1]. 1799 flüchtete über diesen Weg der russische Feldherr Suworow mit seinem Heer vor den Franzosen. Es muss für die damalige Bevölkerung ein grosses Erlebnis gewesen sein, als die Stille im Tal durch den Lärm der fremdländischen Truppen gebrochen wurde. Das Tal hat seinen Namen vom Fluss Sernf, der es von Elm bis nach Schwanden durchfliesst. Der Sernf ist ein Wildbach, der bei starkem Regen oder bei der Schneeschmelze sehr viel Wasser führen kann.

[1]      schmaler Weg, der über Berge oder durch unwegsames Gelände führt. Auf solchen Wegen wurden Waren mit Maultieren oder Pferden transportiert.

Text 2. Wirtschaftliche Entwicklung dank dem Strassenbau

1825 wurde ein erster schmaler Fahrweg von Schwanden nach Elm gebaut. Dieses war aber an gewissen Stellen viel zu steil und somit fast unpassierbar. Dreissig Jahre später wurde der Weg zu einer Strasse erweitert, die heute noch besteht und auf der auch wir ins Klassenlager fahren werden. Der Anschluss an das ausgebaute Strassennetz veränderte das Leben im Sernftal radikal. Dank den verbesserten Transportmöglichkeiten entstanden wenige Jahre nach der Eröffnung der Strasse neue industrielle Betriebe in der Gegend: die Weberei Blumer in Engi und die Spinnerei Spälty in Matt. Diese waren auf die Einfuhr von Rohstoffen und die Ausfuhr industrieller Produkte angewiesen. Auch der Abbau des Schiefers stieg dank der erleichterten Transportwege rasant an.

Text 3. Kurze Baugeschichte

Leonhard Blumer war ein Unternehmer, der in Engi eine erfolgreiche Weberei gründete. Er setzte sich für die Verlängerung der Bahnlinie von Schwanden in das Sernftal ein. Blumer war auch Politiker und machte in dieser Funktion Druck auf die Regierung, damit die dafür nötigen Finanzen bewilligt wurden. Viele Politiker mussten vom Projekt überzeugt werden. Schliesslich beauftragte Blumer den Ingenieur Brown, den Direktor der Lokomotivfabrik in Winterthur, mit der Planung der Schmalspurbahn ins Sernftal. Die Bahn sollte elektrisch betrieben werden – das war damals sehr modern und ein echtes Pionierprojekt.

Der Bau erwies sich als sehr schwierig. Für die Stromversorgung der neuen Bahn wurde eigens ein Wasserkraftwerk an der Sernf gebaut. Auch musste die Strasse an mehreren Stellen verbreitert werden. Dafür kaufte man Land und sprengte Felsen weg. Etwa 11 Brücken wurden neu gebaut oder umgebaut. Zur Verhinderung von Felsstürzen waren Stützmauern erforderlich und zur Entwässerung des Geländes mussten unzählige Rohre verlegt werden.

1905 wurde die Sernftalbahn nach einer 20-jährigen Planungs- und Bauphase eröffnet. Blumer war zu diesem Zeitpunkt schon alt und schwer krank. Er konnte die erste Fahrt der Bahn nur von seinem Balkon aus miterleben. Der Zug hielt kurz vor seinem Haus an, um ihn zu grüssen. Wenige Wochen später starb er.

Text 4. Werbung und Gütertransport

Um mehr Fahrgäste zu gewinnen, arbeitete die Bahn eng mit den Hotels und Restaurants in Elm zusammen. Gemeinsam gestalteten sie Werbeplakate, Faltprospekte und schalteten Inserate in auswärtigen Zeitungen. Auch im Zürcher Hauptbahnhof hing ein grosses Werbebild der Brummbachbrücke mit einem Sernftalbahn-Zug darauf – das Touristen anlocken sollte. Es gab auch spezielle Tagesausflugsangebote, günstige Sonntagsbillette und Gruppenreisen, zum Beispiel für Schulklassen oder Vereine. So wurde das „wilde, romantische Sernftal“ als Naturerlebnis angepriesen.

Auch der Transport von Gütern spielte eine wichtige Rolle. Die Bahn beförderte Zement, Holz, Kies, Steine und landwirtschaftliche Produkte wie Milch. Besonders wichtig war der Zementtransport für grosse Bauprojekte im Sernftal und später das Rundholz aus den umliegenden Wäldern, das zu Sägereien in der ganzen Schweiz transportiert wurde. In den 1920er-Jahren wurde das Mineralwasser aus Elm eine Zeit lang mit der Bahn befördert, bevor dieser Transport auf die Strasse verlagert wurde.

Text 5. Gründe für die Schliessung der Sernftalbahn

1. Grund

Die Sernftalbahn erzielte mit den Fahrkarten und Transporten zu wenig Einnahmen. Gleichzeitig stiegen die Kosten für Löhne, Reparaturen und anderes, sodass die Ausgaben die Einnahmen übertrafen.

2. Grund

Gleise, Fahrzeuge und andere Teile der Bahn waren alt und mussten erneuert werden. Dafür fehlte das Geld. Der Kanton hatte schon viel bezahlt und wollte nicht noch mehr investieren.

3. Grund

Immer mehr Leute fuhren mit dem Auto oder dem Bus. Auch viele Güter wurden nicht mehr mit der Bahn, sondern mit Lastwagen transportiert. Dadurch hatte die Bahn weniger Einnahmen.

4. Grund

Die Bahn musste neue Regeln einhalten. Dazu gehörten höhere Abschreibungen (Wertverlust der Anlagen), neue Abrechnungen und angepasste Tarife. Das machte den Betrieb noch teurer.

5. Grund

Der Kanton Glarus und später auch der Bund gaben jedes Jahr Geld, damit die Bahn weiterfahren konnte. Trotzdem wurde das Defizit immer grösser.

6. Grund

Ein Bus ist billiger im Unterhalt und kann leichter neue Strecken befahren. Deshalb entschied man sich am Ende für den Busbetrieb.

Text 6. Weseta

Die Weberei, die Leonhard Blumer im Jahr 1864 in Engi gründete, gibt es tatsächlich bis heute. Sie ist heute unter dem Namen Weseta bekannt – ein Name, der sich aus Weber und Sernftal zusammensetzt. Die Firma Weseta Textil AG stellt hochwertige Frottierwaren wie Hand- und Badetücher her, die in viele Länder exportiert werden. Die Produktion findet noch immer am ursprünglichen Standort in Engi statt. Damit gehört Weseta zu den letzten Textilfirmen, die noch in der Schweiz produzieren. Leonhard Blumers Weberei lebt also bis heute weiter.

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